Kerwebrauchtum

Historie der Gras-Ellenbacher Kerwebrauchtums im Odenwald (Kreis-Bergstraße)

Nach den Ausführungen von Dr. Heinrich Winters lässt sich der Kerwebrauchtum in der Gemeinde GraselIenbach im Odenwald wie folgt ergänzen: In Gras-Ellenbach ist im Kerweumzug der "Puhlfaßreiter" zu sehen. Dieses eigenartige Motiv entstand dadurch, daß man als Kerwegag ein Bierfaß im "Puhlfaß" (Jauche oder Pfuhl heißt im Dialekt "Puhl") versteckte und dann das Bier aus dem "Puhlfaß" zapfte. Zwei Kerweburschen sitzen obenauf und prosten den Zuschauern, dem Kerwevolk, zu.

 

Auch das "Kerwerad" ist eine Besonderheit im Gras-Ellenbacher Kerweumzug. Es soll mit seinem Geholper und stetem Wechsel von oben und unten die Launen menschlichen Schicksals symbolisieren. Das Kerwerad, ein normales Wagenrad eines Leiterwagens, ist auf einem Balken montiert, der von einer Kuh gezogen wird und so durch die Straßen des Umzugs schleift. Waagrecht zur Zugrichtung wippt das Rad auf und ab, verursacht durch die wechselnden Bewegungen zweier daraufsitzender Kerweburschen. Das Strohpolster macht die "Fahrt" durchs Kerwedorf recht angenehm.

 

Früher war es üblich, dass vor dem Kerwesamstag der Ortsdiener mit Ortsschelle verkündete, dass zur Kerwe die Straßen zu fegen und die Hausfassaden zu schmücken seien. In Fortführung dieser Tradition fahren in Gras-Ellenbach zwei mit Pickelhauben uniformierte Kerweburschen auf einem Tandem durch die Straßen und machen mit der alten historischen Schelle des einstigen Ortsdieners auf die Reinigungspflicht und das zu schmückende Ortsbild aufmerksam.

 

Quelle: Grasellenbach Natur/Kultur/Geschichte (Dr. Peter W. Sattler / Markus Röth)

 

 

Kerweumzug in Gras-Ellenbach, Anfang der dreißiger Jahre in der Güttersbacher Straße in Höhe des Hirtenhäuschens.

 

 

Kerweumzug um 1930 in Gras-Ellenbach. Das Foto wurde in der Güttersbacher Straße in Höhe der ehemaligen Gaststätte "Spessartkopf" aufgenommen. In der Pferdebespannten Kutsche das Kerwepaar

 

 

Das Kerwevolk in den fünfziger Jahren vor dem Hotel "Dorflinde" in der Siegfriedstraße beim anhören der Kerwepredigt.

zu den Bildern der 50er Jahre

 

 

In Gras-Ellenbach gehört das "Kerwerad" mit zum Umzug. Es soll mit seinem Geholper und stetem Wechsel von oben und unten die Launen menschlichen Schicksals symbolisieren.